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Wir haben Inter gewechselt — von Google zu uns selbst

Das ist eine kleine Geschichte über eine grosse Frage: Wo kommt eigentlich Deine Schriftart her, wenn Du auf eine Website klickst?

Auf den meisten Webseiten lautet die Antwort: von Google. Über die Google Fonts-CDN. Bei jedem Seitenaufruf. Mit IP-Adresse, User-Agent, Referrer. Tracking ohne Cookies, weil dafür der Cache reicht.

Bei www.uccpro.ch war es bis vor Kurzem auch so. Astra-Theme, Google-Fonts-Integration, automatisch geladen. Wir haben das gemerkt, als wir die Seite cross-browser getestet haben — und festgestellt, dass die Schriftart Inter über einen Pfad ausgeliefert wurde, der schon im Verzeichnisnamen sagte, woher er stammt: astra-google-fonts/inter-...woff2.

Inter selbst ist nicht von Google. Sie wurde von Rasmus Andersson entworfen, einem schwedischen Designer (früher bei Spotify), und steht unter der Open Font License. Google hat sie nur in seinen Fonts-Katalog aufgenommen — und damit wurde sie zur Standard-Auslieferung. Das ist kein Problem an der Schriftart. Das ist ein Problem am Auslieferungsweg.

Was wir gemacht haben

  • Inter v4 direkt vom Autor heruntergeladen — vom GitHub-Release auf github.com/rsms/inter, nicht über Google.
  • Die Schriftdatei in unser eigenes Datenzentrum hochgeladen — also nach Thayngen, ins UCC Secure Vault.
  • Per @font-face direkt eingebunden, mit lokalem Pfad. Eine HTTP-Anfrage, eine Datei, eine Quelle.
  • Den Astra-Google-Fonts-Pfad deaktiviert. Die Roboto-Schrift, die Elementor automatisch nachgeladen hat, gleich mit.

Was Du davon merkst: nichts. Die Seite sieht gleich aus, lädt minimal schneller (eine Anfrage weniger an Google), und wenn Du sie mit einem Tor Browser oder einem Mullvad Browser besuchst, bekommst Du die Schriftart auch wirklich zu sehen — viele Security-Browser blockieren Google-Fonts-CDNs nämlich kategorisch.

Warum das mehr als eine Detailfrage ist

Wer eine Webseite betreibt, die für sich beansprucht, Datensouveränität zu schätzen, kann nicht jede einzelne HTTP-Anfrage zu einem US-Konzern delegieren. Schriftarten sind nur das offensichtlichste Beispiel. Maps, Analytics, CDNs, Spam-Schutz, Captchas — bei jedem dieser Bausteine entscheidet jemand, dass das eine doch noch von Google kommen darf. Bis am Ende die Hälfte des Frontends von externen Anbietern ausgeliefert wird.

Das Gegenteil ist nicht Verzicht. Das Gegenteil ist: einmal hinschauen. Welcher Baustein ist eigentlich wo? Lässt er sich ersetzen? Lässt er sich selbst hosten? Inter durch eine eigene Datei ersetzen kostete uns am Ende einen Donnerstagabend. Schriftartendatei runter, hoch, @font-face-Block ergänzt, Google-Fonts-Pfade deaktiviert, Cache geleert.

Bei jeder Iteration findest Du noch etwas. Roboto-Slab, das eigentlich niemand braucht. Eine Captcha, die im Hintergrund Dein Verhalten an einen Drittanbieter meldet. Ein Plugin, das einen Tracking-Pixel lädt, weil es das immer schon getan hat. Dieser Donnerstagabend ist eine kleine Übung in Souveränität. Und sie kostet weniger, als Du denkst.

Was DIN damit zu tun hat

Im Brand-Handbuch von UCC Pro stand ursprünglich DIN Pro als Wunsch-Schriftart. Industrienorm-Schriftart, präzise, technisch, klar. Lizenz: 150 bis 300 Franken für ein Family-Paket. Wir haben uns dagegen entschieden — nicht weil das viel Geld wäre, sondern weil Inter visuell sehr nah an DIN herankommt und unter freier Lizenz steht. Wer auf den Fenstern unseres Datenzentrums die Beschriftung sieht, sieht echtes DIN. Auf der Webseite siehst Du Inter. Niemand merkt den Unterschied. Aber jeder, der unsere Schrift auf seinem Rechner sehen will, lädt sie aus Thayngen, nicht aus Mountain View.

Brauchst Du Beratung dazu?

Schreib uns kurz, was bei Dir konkret ansteht. Wir melden uns persönlich zurück.

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