Direkt zum Inhalt

Gehackt wurde nicht die Pensionskasse

ucc pro hosted paperless ngx

Am 8. Oktober 2026 hat das Bundesamt für Cybersicherheit einen Datenabfluss gemeldet, der die Versicherten der Publica betreffen könnte, der Pensionskasse des Bundes. Angegriffen wurde aber nicht sie selbst, sondern ein externer Software-Lieferant. Laut Publica handelt es sich um die PK Softech AG, deren Software sie für die Verwaltung ihrer Versicherten nutzt. Der Fall zeigt ein Muster, das jeden Betrieb betrifft, auch einen kleinen.

Was bisher bekannt ist

Der Lieferant hat den Angriff Ende September festgestellt, sofort Strafanzeige erstattet und die zuständigen Bundesstellen, Publica und weitere Kunden informiert. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Laut PK Softech erfolgte der Abfluss aus der eigenen IT-Infrastruktur, nicht aus den Systemen der Kunden. Wer hinter dem Angriff steckt, ist noch unklar.

Welche Daten abgeflossen sind, wird noch abgeklärt. Laut einer Publica-Sprecherin könnten Angaben zu Löhnen, Vorsorgeguthaben und Rentenhöhen sowie Kontaktdaten betroffen sein. Wie viele Personen es trifft, kann die Pensionskasse noch nicht sagen. Sie hatte Ende 2025 knapp 70’000 aktive Versicherte und 41’600 Rentenbeziehende. Die Vorsorgeguthaben seien sicher, die Renten würden wie gewohnt ausbezahlt. Ob Lösegeld gefordert wurde, wollte Publica mit Verweis auf die Ermittlungen nicht sagen.

Am Folgetag meldete der Kanton Bern einen Angriff auf eine «externe Softwarelieferantin von Pensionskassen», der auch die Bernische Pensionskasse und die Bernische Lehrerversicherungskasse betrifft. Den Namen nennt der Kanton nicht; laut Netzwoche liegt ein Zusammenhang mit PK Softech nahe. Es gebe derzeit keine Hinweise, dass Daten der beiden Kassen gestohlen wurden; ein Abfluss lasse sich aber nicht ganz ausschliessen.

Warum die Folgen erst noch kommen

Lohn, Rentenhöhe und Kontaktdaten sind genau das Material, das Betrüger für glaubwürdige Anrufe und Mails brauchen. Wer Deinen Namen, Deinen Arbeitgeber und die Höhe Deines Vorsorgeguthabens kennt, klingt am Telefon wie Deine Pensionskasse. Publica rät den Versicherten deshalb, besonders aufmerksam bei ungewöhnlichen E-Mails, Anrufen oder Nachrichten zu sein, und hat eine Kontaktstelle für verdächtige Vorfälle eingerichtet.

Für Betriebe heisst das: Wenn Mitarbeitende in den nächsten Wochen Anrufe «der Pensionskasse» erhalten, die Kontodaten bestätigen oder eine Zahlung auslösen wollen, ist Vorsicht angebracht. Eine kurze Information an das Team kostet wenig.

Deine Lieferanten sind Teil Deiner Sicherheit

Der eigentliche Lehrsatz geht über die Pensionskassen hinaus. Die Daten Deiner Kundschaft und Deiner Mitarbeitenden liegen längst nicht mehr nur in Deinen eigenen Systemen. Sie liegen bei der Lohnbuchhaltung, beim Treuhänder, beim Anbieter der Branchensoftware, beim Webhoster. Wird einer davon angegriffen, sind es trotzdem Deine Leute, deren Daten abfliessen, und sie erwarten die Antworten von Dir.

  • Führe eine Liste Deiner Datenempfänger. Halte fest, welcher Lieferant welche Personendaten verarbeitet und wo sie liegen.
  • Gib nur weiter, was nötig ist. Daten, die ein Lieferant nicht hat, können bei ihm auch nicht abfliessen.
  • Regle den Ernstfall im Vertrag. Lege fest, wie schnell Dich ein Lieferant bei einem Vorfall informieren muss und wer was meldet.
  • Halte eine Vorlage bereit. Wenn Du Mitarbeitende oder Kundschaft über einen Vorfall informieren musst, hilft ein vorbereiteter Text mehr als guter Wille unter Zeitdruck.

Bei den Umgebungen, die wir betreuen, gehört die Übersicht über externe Dienste und ihre Zugänge zum Betrieb dazu. Wenn Du wissen möchtest, wie das bei Dir aussehen könnte, erreichst Du uns über das Kontaktformular.

Quellen: Bundesamt für Cybersicherheit, Medienmitteilung vom 8. Oktober 2026, «Cyberangriff auf Softwarelieferant von Publica: Datenabfluss bestätigt»; AWP via cash.ch vom 8. Oktober 2026; Netzwoche vom 8. Oktober 2026, ergänzt am 9. Oktober 2026.

Brauchst Du Beratung dazu?

Schreib uns kurz, was bei Dir konkret ansteht. Wir melden uns persönlich zurück.

Weitere Beiträge

Nach oben scrollen