Anfang Januar haben viele in der Schweiz dasselbe Anliegen: die neue Autobahnvignette holen. Seit 2024 gibt es die offizielle E-Vignette, gekauft auf e-vignette.ch, abrechnet beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit. Praktisch, papierlos, einmal pro Jahr.
Genau diese Routine nutzen Betrüger gerade aus. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) warnt seit Jahresanfang vor einer Welle von Phishing- und Fake-Shop-Seiten, die genau wie die offizielle Plattform aussehen – aber Geld kassieren, ohne eine Vignette zu hinterlegen. Wer dort kauft, hat 200 Franken weniger und keine Vignette. Beim ersten Tunnel-Check kommt die Strafe.
Was passiert
Die betrügerischen Seiten erscheinen oft prominent in Google-Werbung. Suchst Du «E-Vignette Schweiz» oder «Autobahnvignette online», landet ganz oben ein bezahlter Anzeigentreffer mit einem Domain-Namen, der nach offizieller Quelle aussieht: e-vignette-schweiz.com, vignette-online.ch, swiss-vignette.net. Design wie das Original, gleiche Farben, gleiche Logos – manchmal sogar das offizielle Schweizer Wappen.
Du gibst Fahrzeugnummer und Kreditkartendaten ein. Die Seite bestätigt: «Ihre Vignette wurde erfolgreich registriert.» Du bekommst eine PDF-Bestätigung per E-Mail. Sieht alles offiziell aus.
Was tatsächlich passiert: das Geld geht an Kriminelle. Deine Fahrzeugnummer wurde nirgends registriert. Beim nächsten Grenzübertritt oder Tunnel-Kontrolle stellt der Zoll fest, dass keine gültige E-Vignette zur Plattennummer hinterlegt ist – Bussgeld 200 Franken. Plus die 40 Franken, die Du an die Betrüger gezahlt hast. Plus den Kreditkarten-Stress, falls die Daten weiterverkauft werden.
Die einzige offizielle Quelle
Die E-Vignette gibt es ausschliesslich über die offizielle Plattform: via.admin.ch (das ist der korrekte Domain-Name 2026). Die Seite gehört dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit. Adresse endet auf .admin.ch – das ist die geschützte Domain für Schweizer Behörden, nichts anderes.
Alle anderen Seiten, egal wie offiziell sie aussehen, sind Betrug. Auch wenn sie 39 Franken statt 40 verlangen. Auch wenn sie eine bestätigte E-Mail schicken. Auch wenn die Domain «schweizerisch» klingt.
Drei Reflexe, die Dich schützen
Niemals über Google-Anzeigen kaufen. Bezahlte Anzeigen sind seit Jahren das einfachste Mittel für Betrüger, eine täuschend echte Seite ganz oben auf der Suche zu platzieren. Tipp: Adresse direkt in den Browser eintippen, nicht über die Suchmaschine gehen. Oder: nur auf den ersten organischen (nicht-bezahlten) Treffer klicken.
Domain genau prüfen. via.admin.ch – kein Bindestrich, keine Endung wie .com, .net, .shop. Wenn die Adresse nach dem Punkt nicht admin.ch heisst, ist es nicht offiziell. Auch nicht dann, wenn das Wort «admin» sonst irgendwo in der URL vorkommt.
Bezahl nur per Kreditkarte mit 3D-Secure. Die offizielle Plattform unterstützt das. Falls die Seite nur Sofortüberweisung, Bitcoin oder andere ungewöhnliche Zahlungswege akzeptiert: sofort schliessen.
Was tun, wenn schon passiert
Wenn Du auf eine Fake-E-Vignette-Seite hereingefallen bist:
- Sofort die Bank anrufen und die Kreditkartenzahlung melden. Bei sehr schneller Reaktion (Stunden) lässt sich die Belastung manchmal stoppen oder zurückbuchen.
- Karte sperren lassen. Die Daten sind kompromittiert, früher oder später werden sie weiter verwendet.
- Echte Vignette nachträglich kaufen auf
via.admin.ch. Das ist der einzige Weg, ohne den Du beim Tunnel-Check sicher in die Busse läufst. - Vorfall melden über das BACS-Meldeformular auf
antiphishing.ch– damit hilfst Du, dass die Phishing-Domain schneller blockiert wird.
Übrigens auch andere Phishing-Wellen rund ums Auto
Was 2026 zusätzlich auftaucht: gefälschte Bussbescheide per E-Mail (mit echtem Logo der Kantonspolizei), gefälschte SMS zu angeblichen unbezahlten Parkgebühren, falsche Verkehrsclubs-Mahnungen. Alles funktioniert nach dem gleichen Muster: glaubwürdiger Absender, leichter Druck, Link zu einer Betrugs-Seite.
Faustregel auch hier: bei amtlicher Post nichts überstürzen. Die echte Polizei und der echte Zoll schicken Briefe. Wer Dich per E-Mail unter Zeitdruck zur sofortigen Zahlung drängt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Betrüger.
Quelle: NCSC – BACS Bundesamt für Cybersicherheit, Warnung vom 06.01.2026: «E-Vignette – Vorsicht vor Phishing und irreführenden Angeboten» (ncsc.admin.ch).