Klassischer Enkeltrick am Telefon: «Hallo, rate mal, wer dran ist?» Funktioniert seit Jahrzehnten, weil ältere Menschen aus Höflichkeit nachfragen und nicht direkt auflegen. Was 2026 daran neu ist: der Anrufer ist nicht mehr ein Mensch, sondern eine KI-Stimme – generiert aus zehn Sekunden Audio-Material vom echten Enkel, gefunden auf TikTok oder Instagram.
Das BACS hat am 10. März 2026 gewarnt: alte Betrugsmaschen kommen zurück, im neuen Kostüm. Die Konzepte sind dieselben – Vertrauen erschleichen, Druck aufbauen, Geld abgreifen – aber die Werkzeuge wurden in den letzten zwei Jahren deutlich besser.
Was sich verändert hat
Anrufe mit echter Stimme. Voice-Cloning braucht 2026 keine zehn Minuten Quellmaterial mehr. Zehn Sekunden reichen. Wer in Social Media Audio postet (Reels, TikToks mit Voiceover, Podcasts), liefert das Material direkt mit. Der «Enkel» am Telefon klingt dann genau wie der Enkel.
Mehrkanal-Angriffe. Früher kam ein Phishing-Versuch entweder per Mail oder per SMS oder per Anruf. Heute oft alle drei kombiniert. SMS schickt die Mahnung, Mail bestätigt sie mit «offiziellem» Logo, dann ruft jemand an und drängt auf Sofort-Reaktion. Drei Kanäle, dreimal «amtlich» – die Skepsis wird mürbe.
KI-generierte Bilder und Dokumente. Gefälschte Bussbescheide sehen aus wie echte Bussbescheide. Gefälschte Bank-Briefe sehen aus wie echte Bank-Briefe. Selbst der QR-Code auf der gefälschten Rechnung ist technisch korrekt – führt aber zur Betrüger-Bankverbindung.
Hyperpersonalisierung durch Datenleaks. Wenn ein Datenleck Deine Adresse, Geburtsdatum und Kreditkarten-Nummer offenbart, kann der Anrufer «Sie haben am 14. Februar mit Ihrer Karte 87 Franken bei Coop bezahlt – das wurde zurückgezogen, wir müssen die Transaktion neu autorisieren.» Das ist konkret. Das wirkt echt.
Die fünf häufigsten Maschen 2026
1. Falscher Bank-Anruf. «Wir haben verdächtige Aktivität auf Ihrem Konto entdeckt, müssen Sie zur Verifikation kurz Ihre TAN bestätigen.» Die echte Bank fragt nie nach TANs am Telefon. Punkt.
2. Gefälschter Polizei-Anruf. Mit Schweizer Vorwahl, glaubwürdiger Stimme, sogar Hintergrundgeräusche aus echten Polizei-Aufnahmen. «Bei Ihnen wurde eingebrochen, wir brauchen Hilfe bei der Verbrecherjagd, bitte überweisen Sie zur Beweisaufnahme…» Polizei in der Schweiz ruft nicht so an. Auflegen, dann selbst die offizielle Polizei-Nummer wählen.
3. Romance-Scam mit KI-Bildern. Auf Dating-Plattformen oder Social Media werden Beziehungen aufgebaut, die wochenlang harmlos wirken. Profilbilder sehen perfekt aus – weil sie KI-generiert sind. Irgendwann kommt eine Notlage und Geldtransfer-Bitten. Klassiker, aber durch perfekte Bilder schwerer zu durchschauen.
4. Gefälschte Rechnungen mit echten Logos. Mahnung von angeblicher SBB, Swisscom, Post oder einem Energieversorger. Logo, Layout, Sprache stimmen exakt. Nur die IBAN-Nummer ist anders. Gefährlich, weil viele kleine Beträge (CHF 47, 89, 132) nicht hinterfragt werden.
5. Microsoft-Tech-Support. Anruf oder Popup: «Ihr Computer ist infiziert, wir bieten Ihnen Hilfe an.» Es folgt eine Aufforderung, Fernwartungs-Software zu installieren – oft TeamViewer oder AnyDesk. Sobald das läuft, hat der Angreifer Vollzugriff.
Drei universelle Reflexe
1. Anhalten, wenn Druck kommt. Echte Behörden und Banken arbeiten nicht mit Sofort-Druck. Wer Dich am Telefon zur sofortigen Aktion drängt – nicht warten, nicht zurückrufen, nicht mit Familie reden – ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrüger.
2. Auflegen und selbst zurückrufen. Aktiv, an die Nummer, die Du selbst nachschlägst. Bei Banken: die Nummer auf der Karte oder der Webseite. Bei Polizei: 117. Bei Behörden: die Nummer auf der offiziellen Webseite, nicht aus der Mahnungs-Mail. Der Mehraufwand sind drei Minuten – dafür gewinnst Du Sicherheit.
3. Zweite Person fragen. Bei einem klassischen Enkeltrick scheitert der Betrug fast immer an der einfachen Frage: «Lass mich kurz Deine Mutter anrufen, dann komme ich zurück auf Dich zu.» Echter Enkel: kein Problem. Betrüger: legt auf. Bei jeder ungewöhnlichen Anfrage – am Telefon, per Mail, per WhatsApp – mit jemandem darüber reden, bevor Du handelst.
Was Du älteren Familienmitgliedern erklären solltest
Ein Drittel der Schweizer Phishing-Opfer ist über 65. Nicht weil ältere Menschen «dümmer» wären – sondern weil sie eher höflich am Telefon bleiben, weniger oft Online-Banking-Push-Notifications haben, und seltener mit jemandem über verdächtige Anrufe reden.
Was hilft: einfache Faustregeln, die kein Tech-Verständnis verlangen.
- Polizei und Bank rufen nie an, um TANs oder Passwörter zu fragen.
- Wenn eine Mahnung dringend wirkt: erst mit der Familie reden, dann reagieren.
- Wenn jemand am Telefon Fernwartungs-Software installieren will: auflegen.
- Wenn ein «Enkel» um Geld bittet: erst die Eltern anrufen.
- Im Zweifel: 117 (Polizei) oder das BACS-Telefon, da gibt es Beratung.
Drei Sätze zum Mitnehmen
Die Maschen sind die alten, die Werkzeuge sind neu und besser. Drei Reflexe – Pause, Rückruf an offizielle Nummer, zweite Person einbeziehen – schützen vor 95 Prozent der Versuche. Und einmal mit der älteren Generation in der Familie darüber sprechen ist mehr wert als jeder Antivirus.
Quelle: NCSC – BACS Bundesamt für Cybersicherheit, Meldung vom 10.03.2026: «Alte Betrugsmaschen in neuem Kleid» (ncsc.admin.ch).