Früher brauchten Betrüger für Skimming Technik: einen Aufsatz auf dem Geldautomaten, eine versteckte Kamera, eine präparierte Tastatur. Das lohnt sich in der Schweiz kaum noch, denn seit dem Wechsel vom Magnetstreifen zum Chip lässt sich eine Karte nicht mehr einfach kopieren. Die Betrüger haben daraus ihren Schluss gezogen. Wenn der Chip nicht zu kopieren ist, holen sie sich eben den Chip. Das Bundesamt für Cybersicherheit beschreibt die Masche im Wochenrückblick vom 8. September 2026 als «Psychologie statt Technik».
So läuft es ab
Am Anfang steht eine SMS, angeblich von Deiner Bank. Die Karte sei missbraucht worden, es gebe verdächtige Transaktionen, bitte rufe sofort diese Nummer an. Am Telefon meldet sich ein freundlicher «Mitarbeiter der Bank». Er erklärt, die Karte müsse aus Sicherheitsgründen unverzüglich zerstört werden. Du sollst sie zerschneiden, aber den Chip dabei nicht beschädigen, und die Teile in einen Umschlag legen. Den Umschlag schickst Du an eine Adresse, oder ein Bote holt ihn gleich bei Dir zu Hause ab.
Das Zerschneiden ist der eigentliche Trick. Es fühlt sich an, als würdest Du die Karte unbrauchbar machen. In Wahrheit bleibt der Chip voll funktionsfähig. In den Fällen, die das BACS kennt, stand kurz nach dem Anruf eine Person an der Wohnadresse und nahm den Umschlag entgegen. Die Karte wurde danach offenbar wieder zusammengeflickt und für Bargeldbezüge benutzt. In einem Fall erbeuteten die Täter auf diese Weise über 10’000 Franken.
Zwei Details machen die Masche besonders gemein. Die Betrüger brachten Betroffene teilweise vorher dazu, die Limiten der Karte zu erhöhen. Und den PIN-Code erfragen sie nach Einschätzung des BACS irgendwo im Verlauf des Gesprächs, so beiläufig, dass es nicht auffällt.
Woran Du den Betrug erkennst
- Die Bank kommt nicht an die Haustür. Keine Bank holt Karten, Chips, PIN-Codes oder Zugangsdaten bei Dir zu Hause ab. Das ist keine Faustregel, das gilt ohne Ausnahme.
- Die Telefonnummer stammt aus der SMS. Eine Nummer, die Dir eine Nachricht liefert, führt dorthin, wo der Absender Dich haben will. Die echte Nummer Deiner Bank steht auf der Rückseite Deiner Karte.
- Es muss jetzt sofort geschehen. Zeitdruck ist das Werkzeug, mit dem die Täter Dein Nachdenken abschalten. Eine echte Sperre dauert eine Minute und braucht keinen Boten.
- Jemand fragt nach Deinem PIN-Code. Den kennt ausser Dir niemand, auch nicht die Bank.
Was Du tust
Wenn eine SMS oder ein Anruf Dir einen Kartenmissbrauch meldet, legst Du auf und rufst Deine Bank über die Nummer auf der Kartenrückseite oder auf ihrer offiziellen Webseite an. Zerschneide eine Karte nie auf Anweisung einer fremden Person, und gib den Chip niemandem heraus. Wenn Du den Verdacht hast, dass es schon zu spät ist, sperrst Du die Karte sofort über die offizielle Sperrnummer Deiner Bank.
Und falls Du ältere Eltern oder Grosseltern hast: Erzähl ihnen diese Geschichte. Der Bote an der Haustür wirkt am Telefon völlig plausibel. Wer die Masche einmal gehört hat, erkennt sie beim zweiten Mal.
Quelle: BACS – Wochenrückblick Woche 36 vom 8. September 2026, «Analoges Skimming – Psychologie statt Technik».


