Ein Job-Inserat in der lokalen Zeitung. Schöne Schweizer Firma, klassischer Arbeitgeber, attraktive Position. Du bewirbst Dich, das Bewerbungsgespräch findet per Videocall statt, der «HR-Manager» ist freundlich, das Angebot kommt schnell. Du sagst zu, unterschreibst per E-Mail, sendest Bankdaten für die Lohnzahlung mit. Erster Arbeitstag: Du tauchst auf, niemand kennt Dich, die Firma weiss nichts von einer Einstellung.
Das BACS hat am 24. März 2026 vor einer Welle gefälschter Job-Inserate gewarnt – und das Spannende daran ist: nicht nur erfundene Firmen werden für die Masche missbraucht, sondern echte Schweizer Unternehmen mit kopiertem Branding. Die Inserate erscheinen in echten Zeitungen, auf Job-Plattformen, manchmal sogar in Anzeigen-Newslettern.
Warum die Masche so erfolgreich ist
Drei Komponenten machen den Trick stark:
Echte Firmen als Tarnung. Der «HR-Manager» gibt sich als Mitarbeiter eines real existierenden Schweizer Unternehmens aus – inklusive korrektem Logo, professionellem Mail-Konto auf einer Lookalike-Domain (karriere@firma-jobs.ch statt karriere@firma.ch), und Webseite, die der echten täuschend ähnlich sieht. Eine schnelle Google-Recherche zeigt: die Firma existiert, sie ist seriös. Der Bewerber wiegt sich in Sicherheit.
Konkrete Stellenbeschreibungen. Die Anzeigen sind nicht generisch. Die Tätigkeit ist plausibel, das Gehalt realistisch, die Anforderungen passen zur Branche. Wer in der Anzeige nur den Stellentitel googelt, findet ähnliche Inserate bei der echten Firma. Alles wirkt stimmig.
Der Bewerbungs-Prozess folgt der echten Praxis. Einladung zum Videocall, professionelles Auftreten, danach ein Vertrag im PDF-Format mit Logo. Bewerber sind in der Lage von «Hier ist endlich meine Chance» – kritisches Hinterfragen kommt erst nach Vertragsabschluss.
Was der Betrug abgreift
Mehrere Geschäftsmodelle sind hinter dieser Masche aktiv:
1. Identitätsdiebstahl. Im «Bewerbungsprozess» werden Lebenslauf, Personalausweis-Kopie, Passfoto, Lohnabrechnungen vom alten Arbeitgeber, AHV-Nummer, Bankverbindung gesammelt. All das reicht aus, um in Deinem Namen Verträge abzuschliessen, Kredite zu beantragen, oder weitere Identitätsdiebstähle aufzubauen.
2. Geldwäsche-Mules. Du wirst eingestellt für eine «Buchhaltungs-Unterstützungs-Tätigkeit». Erster Auftrag: «Empfangen Sie Geld auf Ihrem Konto und überweisen Sie es weiter, behalten Sie 5 Prozent Provision.» Was Du tatsächlich tust: kriminelles Geld waschen. Wenn die Polizei nachforscht, bist Du der Empfänger – mit Strafanzeige.
3. Vorab-Zahlungen für «Material». «Wir schicken Ihnen das Notebook und die Software, bitte überweisen Sie vorher die Kaution von 1’200 Franken, das bekommen Sie mit dem ersten Lohn zurück.» Die Kaution ist weg, Notebook kommt nie, der «Vertrag» hat irgendwo eine Klausel.
4. Phishing als Arbeitgeber. Du bekommst Login-Daten für ein «internes Mitarbeiter-Portal». Wenn Du das Passwort dort eingibst, ist Dein Login-Verhalten kompromittiert – das Passwort verwenden viele Leute auch privat. Damit hat der Betrüger Zugang zu Mail, Banking, Cloud.
Acht Warnsignale
Wenn ein Job-Angebot eines oder mehrere dieser Merkmale hat, ist Skepsis angebracht:
- Die Mail-Adresse passt nicht zur Firmen-Domain.
info@firma-jobs.choderrecruiting@firma-de.comstatt der echtenfirma.ch. - Sehr schneller Bewerbungsprozess. Eingang, Videocall, Vertrag innerhalb von 5-7 Tagen, ohne dass mehrere Stakeholder beteiligt waren.
- Vertragsabschluss per Mail-Foto oder elektronischer Signatur, ohne dass Du die Personalverantwortliche vor Ort triffst.
- Keine physische Adresse in den Vertragsunterlagen oder eine Adresse, die nicht zur Firma passt.
- Bitte um persönliche Daten, die für die Bewerbung nicht nötig sind – etwa Bankdaten vor Vertragsabschluss, Personalausweis-Vorderseite mit Geburtsdatum, AHV-Nummer im ersten Mailwechsel.
- Vorab-Überweisungen oder Vorab-Käufe für Equipment, Software, Kaution. Niemals.
- Ungewöhnlich hohes Gehalt für die Stelle, ohne plausible Begründung. Wenn das Angebot 30% über dem Marktdurchschnitt liegt: skeptisch werden.
- Keine Rückrufmöglichkeit oder die Telefonnummer geht nur auf Voicemail. Echte Firmen haben Rezeption.
Wie Du verifizierst
Direkt bei der Firma anrufen, an die Telefonnummer auf der offiziellen Webseite. Nicht die Nummer aus dem Inserat. Frag in der Personalabteilung nach: existiert diese Stelle wirklich? Existiert dieser Recruiter wirklich? In den meisten Fällen wird die Antwort sein: nein, sehen wir hier nichts. Das ist Dein Hinweis.
LinkedIn-Profil des «Recruiters» prüfen. Erstellt vor 6 Monaten, sehr wenige Verbindungen, kein Aktivitäts-Verlauf. Stutzig werden.
Job-Plattform-Profile vergleichen. Wenn die Stelle nur auf einer Plattform inseriert ist, aber nicht auf der Karriere-Seite der Firma selbst – und schon gar nicht auf LinkedIn – ist das verdächtig.
Schnell suchen nach der Stelle in Anführungszeichen: ein wörtliches Zitat aus der Stellenbeschreibung. Wenn dieselbe Anzeige auf mehreren Plattformen mit unterschiedlichen Firmen-Namen erscheint, ist es eine Vorlage, die mehrfach missbraucht wird.
Was tun, wenn Du schon dabei bist
Wenn Du schon Dokumente verschickt oder Geld überwiesen hast:
- Kontakt sofort einstellen, nicht versuchen, «noch mal nachzuhaken». Jeder weitere Schritt vergrössert den Schaden.
- Bei Geldverlust: Bank anrufen, Anzeige bei der Polizei erstatten. Bei sehr schneller Reaktion (Stunden) sind Rückbuchungen manchmal möglich.
- Bei Identitätsdaten-Übertragung: Schufa- oder ZEK-Meldung machen, bei Schweizer Datenschutzbeauftragtem registrieren. Falls es zu Konto-Eröffnungen oder Kreditverträgen in Deinem Namen kommt, ist die Meldung der Schutz.
- Wenn Du als Geldwäsche-Mule fungiert hast: zur Polizei gehen, freiwillig anzeigen. Wer freiwillig kommt, hat eine deutlich bessere Position als wer ertappt wird.
- BACS melden, damit die Welle erfasst wird und ähnliche Inserate schneller blockiert werden können.
Drei Sätze zum Mitnehmen
Job-Betrug nutzt 2026 echte Firmen als Tarnung – Recherche bei der Firma direkt ist der wirksamste Schutz. Bei Vorab-Zahlungen, ungewöhnlich hohem Gehalt oder Mail-Adressen ohne Firmen-Domain: stoppen, verifizieren. Und wenn etwas zu gut klingt: ist es das meistens.
Quelle: NCSC – BACS Bundesamt für Cybersicherheit, Meldung vom 24.03.2026: «Betrügerische Jobangebote auf Websites angeblicher Schweizer Firmen» (ncsc.admin.ch).