Am 24. August 2026 hat das Bundesamt für Cybersicherheit seinen Halbjahresbericht 2026/1 veröffentlicht. Die Zahlen: 27’128 freiwillige Meldungen, 200 meldepflichtige Cybervorfälle, 79 beobachtete Ransomware-Fälle. Das Niveau bleibt hoch und stabil – was keine Entwarnung ist, sondern die Feststellung, dass sich der Ausnahmezustand eingerichtet hat.
Der rote Faden: KI macht Angriffe persönlich
Das durchgehende Thema des Berichts ist der systematische Einsatz künstlicher Intelligenz durch Angreifer, um zugeschnittene, persönliche Inhalte glaubwürdig an ihre Opfer zu bringen. Das ist keine ferne Zukunft. Es bedeutet konkret, dass die Rechtschreibfehler weg sind, die Anrede stimmt, der Anlass zur Firma passt und die Stimme am Telefon nach der Person klingt, die sie vorgibt zu sein.
Damit verliert die verbreitetste Schulungsbotschaft ihre Grundlage. «Achten Sie auf schlechtes Deutsch» funktioniert nicht mehr. Was bleibt, ist die Prüfung des Vorgangs statt der Verpackung: Ist es plausibel, dass diese Anweisung auf diesem Weg kommt?
Drei Punkte, die KMU direkt betreffen
- Der falsche Helpdesk. Der Bericht hebt gezielte Manipulation von Mitarbeitenden hervor: Angreifer geben sich als IT-Support oder als Führungskraft aus, um an Zugänge zu kommen oder Zahlungen auszulösen. Besonders wirksam ist der Vorwand eines anstehenden Sicherheits-Updates.
- Microsoft-365-Konten als Ziel. Zahlreiche Schweizer Betriebe meldeten übernommene Geschäftspostfächer, die anschliessend für weiteres Phishing und für Betrug genutzt wurden. Bildungseinrichtungen geraten zunehmend ins Visier.
- Die Lieferkette. Kompromittierte Open-Source-Projekte ermöglichten grossflächigen Datendiebstahl. Wer Software einsetzt, erbt deren Abhängigkeiten – auch die, die er nie ausgewählt hat.
Was daraus folgt
Gegen den falschen Helpdesk hilft keine Technik, sondern eine Abmachung: Es gibt einen definierten Rückweg. Wer anruft und einen Zugang oder eine Zahlung will, wird über die intern bekannte Nummer zurückgerufen – ausnahmslos, auch wenn es der Chef ist, und besonders dann, wenn es eilt. Diese eine Regel verhindert mehr Schaden als jedes Filterprodukt.
Gegen übernommene Postfächer hilft die Zwei-Faktor-Anmeldung, aber nur die widerstandsfähige Sorte. Einmalcodes per SMS und blosses Bestätigen in einer App sind gegen die heutigen Angriffe schwach; Passkeys oder Hardware-Schlüssel sind es nicht. Dazu gehört die Kontrolle, wer im Postfach eine Weiterleitungsregel angelegt hat – der erste Schritt nach einer Übernahme ist fast immer eine unauffällige Regel, die Kopien nach aussen schickt.
Und gegen Ransomware bleibt die unveränderte Antwort: eine Sicherung, an die der Angreifer nicht herankommt, und die Gewissheit, dass sich daraus wirklich zurückspielen lässt. 79 Fälle im Halbjahr sind die gemeldeten. Die Dunkelziffer bilanziert niemand.
Quelle: BACS – Halbjahresbericht 2026/1, veröffentlicht am 24. August 2026.


