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Der Strich, der Dich warnt: KI-Texte auf Betrugsseiten erkennen

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Früher waren gefälschte Webseiten leicht zu enttarnen. Krumme Grammatik, falsche Umlaute, ein Impressum aus dem Nichts. Das ist vorbei. Wer heute eine Betrugsseite baut, lässt die Texte von einer Sprach-KI schreiben, und die schreibt fehlerfrei. Das Bundesamt für Cybersicherheit hat im Wochenrückblick vom 21. Juli 2026 zusammengetragen, woran solche Texte trotzdem auffallen. Das erste Merkmal ist so unscheinbar, dass es fast komisch ist.

Der lange Strich

Es ist ein Satzzeichen. KI-Modelle verwenden auffällig gern den langen Gedankenstrich, den Geviertstrich. In der Schweiz kommt er praktisch nicht vor: Wir setzen den kürzeren Halbgeviertstrich mit Leerzeichen davor und danach. Wenn in einem angeblich schweizerischen Text plötzlich lange Striche mitten in Sätzen stehen, hat den Text sehr wahrscheinlich niemand hier geschrieben.

Das zweite Zeichen mit Verräter-Qualität ist das scharfe S. KI-Modelle lernen überwiegend aus deutschem Text, und dort ist es üblich. Bei uns nicht. Wir schreiben Strasse, Grösse und muss – immer mit zwei s. Wo in einer Mitteilung Deiner angeblichen Schweizer Bank ein scharfes S auftaucht, ist das ein Alarmsignal und kein Tippfehler.

Wie sich solche Texte anfühlen

Neben den Zeichen gibt es Muster, die man spürt, bevor man sie benennen kann. Das BACS nennt vier davon.

  • Alles ist glatt. Die Sätze sind ähnlich gebaut, gleich lang, gleichmässig freundlich. Menschen schreiben unregelmässiger.
  • Viel Fettschrift. Halbe Absätze sind hervorgehoben, ohne dass klar wird, warum ausgerechnet diese Stelle wichtig sein soll.
  • Viele Worte, wenig Inhalt. Superlative wiederholen sich, konkrete Angaben fehlen. Wer nach Preis, Adresse oder Ansprechperson sucht, findet nichts.
  • Eine einzige lange Seite. Betrugsangebote bestehen oft aus einem endlosen Fliesstext ohne echte Unterseiten. Impressum, Datenschutz und Kontakt führen ins Leere oder wiederholen dasselbe.

Dazu kommen die Bilder. Sie passen einzeln, aber nicht zusammen: ein Büro, das nach Kalifornien aussieht, ein Team, das in einem anderen Klima steht, ein Firmenschild, dessen Schrift sich am Rand auflöst. Und übertriebene Animationen, die nichts tun ausser sich bewegen.

Was Du konkret machst

Ein einzelnes Merkmal beweist nichts. Ein Schweizer Betrieb darf einen langen Strich verwenden, und eine gute Seite darf hübsch animiert sein. Gefährlich wird die Kombination: makelloser Text, keine überprüfbaren Angaben, ein Formular, das nach Zugangsdaten oder Kreditkarte fragt.

Die verlässlichste Gegenprobe braucht dreissig Sekunden. Suche den Firmennamen zusammen mit dem Wort «Erfahrungen» in einer Suchmaschine. Prüfe, ob die Adresse im Handelsregister steht. Und gib niemals ein Passwort auf einer Seite ein, die Du über einen Link erreicht hast – tippe die Adresse selbst ein.

Bei uns im Haus gilt diese Regel übrigens auch beim Schreiben. Halbgeviertstrich statt Geviertstrich, zwei s statt scharfem s: Das ist Schweizer Schreibweise, und sie ist inzwischen ganz nebenbei ein Echtheitsmerkmal geworden.

Quelle: BACS – Wochenrückblick Woche 29 vom 21. Juli 2026.

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